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Restaurierung


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Beispiele


Um Ihnen einen Eindruck von unserer verantwortungsvollen Arbeit zu vermitteln zeigen wir Ihnen hier im Anschluss an diese Zeilen außergewöhnliche Beispiele:


Rendsburger Fragment der Gutenbergbibel


Gedruckt: zwischen 1452 und 1455

Restauriert: 1997 – 1999

Zustand: Es war ein Holzdeckelband in Ganzleder (der Rücken fehlte) mit Kette (komplett) auf dem vorderen Deckel waren die Ösenteile der zwei Schließenpaare (eins war defekt) und am hinteren Deckel ein Schließenbandfragment. Beide Hakenteile der Schließen fehlten. Die Kette war im hinteren Deckel am Kopf montiert und wurde nicht gelöst. Auf dem Innendeckel war ein halber Pergamentspiegel.

Es waren 129 Blätter noch vorhanden, 36 Talone (Reste von herausgerissenen Blättern) und zwei Einzelblattfälze. Es war von vorn nach hinten in einfacher Doppelbundheftung auf vier geschlitzte Leder-Doppelbünde geheftet, mittig ein Kettenstich mit einem Hanfbund blind darüber gelegt. Unter dem Heftfaden waren beschriebene Pergamentstreifen und der Kapitalbund war mitgeheftet. Das Leder war später über dem Kapitalbund abgesteppt.

Restaurierung Papier:
Nach einer Papieranalyse wurde in Frankreich das Papier nach alter Art nachgeschöpft und die fehlenden Blätter ersetzt. Mit diesem Papier wurden auch die Fehlstellen ergänzt. Alle Wasserzeichen wurden abgerieben und ins Lagenschema eingetragen. Da nicht alle Stiche zur Heftung gehörten, wurde ein Stichprotokoll erstellt. Die unter dem Faden vorhandenen Pergamentstreifen wurden protokolliert, untersucht und an gleicher Stelle wieder eingeheftet. Die Lagen wurden einzeln mit dem Messer beschnitten.

Buchblock:
Mit neuem Pergamentfalz vorn und hinten, wurde mit extra angefertigtem Hanffaden in vorgefundener Technik wieder geheftet. Anstelle der geschlitzten Lederbünde wurden doppelte Hanfbünde verwand. Der mittlere Bund wurde nur blind über den Kettenstich gelegt. Es wurde kein Fitzbund sondern abgeschrägte Seiten gefunden, somit sind die Kapitalbünde mitgeheftet. Der Buchblock wurde mit Macco – Flugzeuggewebe hinterklebt.

Einband:
Beide Buchendeckel mussten wegen der Schrumpfung verlängert werden. Die Kette und der hintere Lederbezug blieben während der ganzen Restaurierung am Deckel. Die Fehlstellen und der neue Rücken wurden mit eingefärbtem Ziegenleder ergänzt, die Übergänge verlaufend geschliffen und der Kapitalbund abgesteppt. Die Kette mechanisch entrostet, die Pergamentspiegel ergänzt, Schließenteile repariert, die fehlenden Teile gefertigt und mit neuem Schließenband montiert.

Für die schriftliche und fotografische Dokumentation wurde, zusammen mit den Diapositiven der erstellten CD-Rom und der Fragmentensammlung in original Größe, eine extra Kassette gefertigt.

Für die Bibel wurde eine mit Molton gefütterte Kassette gearbeitet. Ein extra Fach für die Kette verhindert eine Beschädigung des Kopfschnittes.

Sie wurde von der Nordelbischen Kirche gekauft und wird nun im Schloß Gottorf in Schleswig als Dauerleihgabe ausgestellt.





Missale Slesvicense


Gedruckt: Im Jahre 1486

Restauriert: März 2000 bis September 2002

Zustand: Holzdeckelband in Ganzleder mit vorn und hinten je fünf Ziernägeln (Buckeln) (zwei fehlten), Kantenbeschlägen (alle vorhanden), zwei Schließenpaaren ( nur noch zwei Ösenteile vorhanden), am hinteren Deckel ein Schließenbandfragment,

Es waren noch 156 Blatt vorhanden, 109 Blatt fehlten. Der Block hatte sich total aus der Heftung und von dem Bünden gelöst. Es waren Fragmente von vier Hanf- Doppelbünden in den Deckeln verpflockt. Papiersubstanz war schwer geschädigt, die mechanischen Schäden und Fehlstellen erheblich, zudem Farbfraß an den roten Initialen und hochgradige Wasserempfindlichkeit bei den blauen Initialen.

Restaurierung Papier:
Für die Papierrestaurierung wurde der Kollege M. Per Laursen, Dänemark, um Mitarbeit gebeten. Er machte eine Papieranalyse und mit dieser Zusammensetzung der Faser wurden die Fehlstellen in der Anfaserungsmaschine ergänzt. Für die fehlenden Blätter lieh uns das Silkeborgmuseum zum Schöpfen eine historische Schöpfform.

Wegen der starken Wasserempfindlichkeit wurden die blauen Initialen von vorn und hinten mit Papier doppelt abgeklebt (mit Gelatine). Die Wiedergabe der Wasserzeichen mittels Beta – Radiographie wurde ebenfalls von Herrn Laursen vorgenommen.

In meiner Werkstatt:
Papier und Buchblock:
Nach dem Zusammenhängen und einzelnem Beschneiden der Blätter (Format war durch die Decke vorgegeben) wurde in vorgefundener einfacher Doppelbund-Heftung auf vier doppelte Hanfbünde, mit Pergamentfalz vorn und hinten, geheftet, Kapital gewickelt und der Block mit Macco-Flugzeuggewebe hinterklebt.

Einband:
Die Buchenholzdeckel, ziemlich wurmzerfressen, wurden wieder hergerichtet, die Bünde und Kapital verpflockt. Ein neuer Rücken aus eingefärbtem Ziegenleder gefertigt, die Fehlstellen ergänzt, den alten Rücken übertragen, zwei neue Buckel nachgearbeitet, Schließenpaare wieder hergestellt und an neue Schließenbänder mit Pergamentkern montiert.

Es wurde eine mit Molton gefütterte Kassette für das Buch und eine weitere für die Dokumentationen, der Beta-Radiographien und der Fragmentensammlung hergestellt.

Von dem Missale Slesvisence 1486 existieren vier Exemplare. Zwei befinden sich in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen, das dritte Exemplar im Schloß Gottorf in Schleswig. Alle drei Exemplare wurden zur Restaurierung des Amrumer Exemplars herangezogen.

In einem festlichen Gottesdienst wurde das Missale Ende September 2002 der Gemeinde zurückgegeben.


Ursprünglicher Zustand

       


Zustand nach der Restaurierung

       




Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert


Entstanden: von 1514 bis 1613

Restauriert: 2002 – 2012

Zustand: Das Pergament war infolge von Feuchtigkeit, durch Schimmel und Bakterien in seiner Struktur nahezu völlig zerstört. Kleinsäuger wie Mäuse hatten Fraßspuren hinterlassen. Das Holz der Deckel war fast gänzlich durch den Schädling »Anobium pertinax«, auch Totenuhr oder Klopfkäfer genannt, bis zur Unbrauchbarkeit aufgefressen. Die Fraßkanäle dieses Schädlings maßen bis zu 3 mm im Durchmesser. Vorgefundene tote Klopfkäfer ermöglichten deren sichere Bestimmung.

Restaurierung: Das Pergament wurde gereinigt, desinfiziert und Fehlstellen mit neuer Papierfaser ergänzt (die neue Methode der Pergamentanfaserung ist zur Zeit der Restaurierung noch nicht ausgereift genug). Die wieder hergestellten Buchblöcke wurden wieder in historischer Technik aufgeheftet. Wo erkennbar, wurden neue Kapitale gewickelt. Nach den Fragmenten der alten Holzdeckel wurden, wo nötig, neue Holzdeckel angefertigt, verpflockt und wieder in die alten aufgearbeiteten Lederdecken eingeledert. Die originalen Schließen wurden gerichtet und wo nötig Fehlendes nachgearbeitet. Auch die abhanden gekommenen Schließbänder wurden originalgetreu ergänzt und die Metallbeschläge neu montiert.

Für alle restaurierten Bücher wurden jeweils Ganzgewebekassetten aus Naturleinen gefertigt, die zur schonenden Archivierung mit starken Moltonpolstern ausgestattet sind.

Alle Arbeiten von der Übernahme, über die Erfassung der Schäden deren Dokumentation über die Restaurierung bis hin zur und Unterbringung in den eigens dafür hergestellten Kassetten nahm gut fünf Jahre in Anspruch.

Die Wiederherstellung der »Wöhrdener Bücher« stellte höchste Ansprüche an die Kunst des Restaurierens und ist nur mit sehr viel Sachverstand und Erfahrung durchführbar. Wir freuen uns sehr über das uns von Seiten der Auftraggeber entgegengebrachte Vertrauen.

Ursprünglicher Zustand

     



Zustand nach der Restaurierung

     




4 Bücher Prologus um 1684


Das Papier war in gutem Zustand. Am Vorderschnitt waren große Fehlstellen. Diese wurden im Block mit entsprechend starkem Japanpapier ergänzt. Partiell wurde desinfiziert und mit Methylcellulose stabilisiert.

Die alten Vorsätze konnten mit Japanpapier gestützt und mit einem neuen Gewebefalz wieder verarbeitet werden. Diese wurden in vorgefundener Technik vor- und nachgeheftet. Mittig in den Buchblöcken wurde ebenfalls, dort wo der Faden gerissen war, die Heftung in vorgefundener Technik wieder hergestellt. Die alte Lederhinterklebung brauchte nur partiell wieder angeklebt zu werden. Alle originalen Kapitale wurden an den Buchblöcken wieder angebracht.

Die gespaltenen Pappdeckel wurden wieder zusammen gefügt und die großen Fehlstellen mit neuer Papierpulpe und Hanffasern ergänzt. Einige Deckel wurden mit Hanfkordel verlängert. Alles wurde mit mehrschichtigem Japanpapier eingepackt. Die alten Kalbslederbände waren so stark abgeschabt und beschädigt, dass sie nicht wieder verwandt werden konnten. Es wurden nur die sehr schön blindgeprägten Rücken abgelöst, verlaufend geschliffen und später wieder auf die neuen Einbände übertragen. Das neue Kalbsleder wurde dem alten angeglichen und gesprenkelt gefärbt. Die Buchblöcke wurden in vorgefundener Technik auf festem Rücken eingeledert. Der Gewebefalz wurde hochgezogen, die alten Spiegel eingeklebt und die originalen Rücken übertragen.

Ursprünglicher Zustand



Zustand nach der Restaurierung



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